Vorfälligkeitsentschädigung – was sie bedeutet und wie du teure Fehler vermeidest
Vielleicht kommt irgendwann der Moment, in dem du deinen Immobilienkredit früher zurückzahlen möchtest oder musst. Und genau dann taucht oft das Wort Vorfälligkeitsentschädigung auf – häufig verbunden mit Beträgen im fünfstelligen Bereich.
Das Wichtigste zur Vorfälligkeitsentschädigung
- Eine Vorfälligkeitsentschädigung ist eine Art Schadenersatz an die Bank, wenn du deinen Immobilienkredit vor Ende der Zinsbindung zurückzahlst.
- Die Bank ersetzt sich damit ihren Zinsschaden – der besteht grob aus zwei Teilen: Refinanzierungsschaden und Margenschaden.
- Gesetzlich kannst du deine Baufinanzierung in vielen Fällen nach zehn Jahren ab Vollauszahlung ohne Vorfälligkeitsentschädigung kündigen.
- Bei Hausverkauf, fehlerhafter Widerrufsbelehrung oder variablen Zinsen kann die Vorfälligkeitsentschädigung ganz entfallen.
- Sondertilgungsrechte, gute Planung und eine saubere Vertragsprüfung helfen dir, die Vorfälligkeitsentschädigung deutlich zu senken oder zu vermeiden.
Vorfälligkeitsentschädigung einfach erklärt: Warum Banken sie verlangen
Eine Vorfälligkeitsentschädigung ist der Betrag, den deine Bank verlangt, wenn du deinen Kredit vor dem Ende der vereinbarten Sollzinsbindung zurückzahlst. Mit deiner Unterschrift unter den Darlehensvertrag hast du dich verpflichtet, über einen bestimmten Zeitraum Zinsen zu zahlen. Wenn du früher „aussteigen“ willst, entgehen der Bank Zinseinnahmen – diesen Verlust stellt sie dir als Vorfälligkeitsentschädigung in Rechnung.
Je höher deine Restschuld ist und je länger die Zinsbindung eigentlich noch gelaufen wäre, desto größer kann diese Summe werden – schnell 20.000, 30.000 oder sogar 50.000 Euro und mehr. Für jemanden, der im Dienst täglich Verantwortung trägt, ist das ein Betrag, den man nicht mal eben nebenbei „wegsteckt“. Genau deshalb ist es wichtig, vor einer vorzeitigen Ablösung ganz genau hinzuschauen.
Warum Banken eine Vorfälligkeitsentschädigung berechnen und wie sich der Zinsschaden zusammensetzt
Mit deiner Baufinanzierung hat die Bank langfristig geplant – genau wie du. Sie refinanziert sich, kalkuliert ihre Zinsmarge und baut auf die vertraglich vereinbarten Zahlungsströme.
Zahlst du früher zurück, entsteht ein Zinsschaden, den die Bank als Vorfälligkeitsentschädigung ersetzt haben möchte. Dieser Schaden besteht im Wesentlichen aus zwei Bausteinen:
Refinanzierungsschaden
Um dir deinen Kredit mit festem Zinssatz zu geben, legt die Bank im Hintergrund Geld über einen ähnlichen Zeitrauman – zu den damals gültigen Konditionen. Wenn du nun vorzeitig zurückzahlst und die aktuellen Marktzinsenniedriger sind als dein Vertragszins, kann die Bank das Geld nur zu schlechteren Bedingungen neu anlegen.
Die Differenz zwischen „dem, was sie mit dir verdient hätte“ und „dem, was sie jetzt noch bekommt“, ist der Refinanzierungsschaden. Je größer der Abstand zwischen Vertragszins und aktuellem Zinsniveau, desto höher fällt dieser Teil der Vorfälligkeitsentschädigung aus.
Margenschaden
Die Bank verdient nicht nur an der reinen Zinsdifferenz, sondern auch an ihrer eigenen Marge. Kündigst du frühzeitig, entgehen ihr diese geplanten Einnahmen. Auch das wird in die Vorfälligkeitsentschädigung eingerechnet – vor allem dann, wenn deine Zinsbindung eigentlich noch viele Jahre gelaufen wäre.
So wird die Vorfälligkeitsentschädigung berechnet: Methoden, Kostenfaktoren & Beispiel
Die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung ist komplex – und ganz ehrlich: selbst für Fachleute manchmal schwer im Detail nachzuvollziehen. Grundsätzlich spielen folgende Faktoren eine Rolle:
-
Höhe der Restschuld
-
verbleibende Zinsbindungsdauer
-
Vertragszinssatz
-
aktuelles Marktzinsniveau
-
vereinbarte Sondertilgungsrechte
-
Risiko- und Verwaltungskostenersparnisse der Bank
-
eventuelle Bearbeitungsentgelte
Es gibt zwei gängige Rechenwege, an denen sich Banken orientieren:
Aktiv-Aktiv-Methode
Hier wird unterstellt, dass die Bank dein vorzeitig zurückgezahltes Geld direkt wieder als neues Darlehen vergibt. Sind die aktuellen Bauzinsen niedriger als dein Vertragszins, entsteht ein Verlust – den du über die Vorfälligkeitsentschädigung ausgleichst.
Diese Methode kann für dich als Kunde oft etwas günstiger sein, wird in der Praxis jedoch eher selten angewendet.
Aktiv-Passiv-Methode
In der Praxis häufig genutzt: Die Bank geht davon aus, dass sie das zurückgezahlte Geld am Kapitalmarkt anlegt – zum Beispiel in festverzinsliche Wertpapiere. Sie stellt dabei gegenüber:
-
Welche Zinsen hätte sie weiter mit dir verdient?
-
Welche Zinsen erzielt sie jetzt mit der neuen Anlage?
Die Differenz ist ein wesentlicher Teil der Vorfälligkeitsentschädigung. Je niedriger das aktuelle Zinsniveau, desto größer der Abstand zum alten Vertragszins – und desto höher dein Vorfälligkeitsentgelt.
Dazu kommen noch bankeigene Positionen wie Bearbeitungsentgelte (nicht immer zulässig) sowie Abzüge für Risiko- und Verwaltungskostenersparnisse.
Beispielrechnung: So entsteht eine Vorfälligkeitsentschädigung in der Praxis
Um ein Gefühl für Größenordnungen zu bekommen, ein Beispiel in Zahlen – deutlich angehoben, damit du die Dimension besser einschätzen kannst:
Stell dir vor, du hast im Jahr 2012 ein Immobiliendarlehen über 180.000 Euro aufgenommen, mit 15 Jahren Zinsbindung, 4,5 % Sollzins und 2 % anfänglicher Tilgung. Nach sechs Jahren liegt deine Restschuld bei rund 155.000 Euro.
Du musst dein Haus nun vorzeitig verkaufen, weil du versetzt wirst oder sich deine familiäre Situation stark verändert hat. Die Bank berechnet eine Vorfälligkeitsentschädigung von beispielsweise rund 45.000 Euro. Die Rechnung könnte in etwa so aussehen:
- Zinsschaden (entgangene Zinsen): ca. 46.200 €
- abzüglich Risikoersparnis: – 900 €
- abzüglich Verwaltungskostenersparnis: – 500 €
- zuzüglich Bearbeitungsentgelt: + 200 €
- Vorfälligkeitsentschädigung: ≈ 45.000 €
Diese Zahlen sind beispielhaft, zeigen aber gut, wie schnell die Vorfälligkeitsentschädigung in Bereiche kommt, die richtig weh tun – gerade, wenn du ohnehin schon viel Verantwortung trägst und nicht noch zusätzlich finanziellen Stress gebrauchen kannst.
Wie Sondertilgungen die Vorfälligkeitsentschädigung reduzieren können
Ja – und das ist ein sehr wichtiger Hebel. Vereinbarte Sondertilgungsrechte müssen bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung berücksichtigt werden, auch dann, wenn du diese Sondertilgungen in der Vergangenheit noch gar nicht genutzt hast.
Bleiben wir bei unserem Beispiel:
Hättest du vertraglich das Recht, jedes Jahr bis zu 10.000 Euro sonderzutilgen, dürfte die Bank bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung nicht so tun, als gäbe es diese Option nicht. Sie muss so rechnen, als hättest du die Chance genutzt und damit deine Restschuld schneller reduziert.
Im Ergebnis könnte der Zinsschaden in unserem Beispiel nicht mehr bei rund 46.200 Euro, sondern vielleicht nur noch bei etwa 26.000 Euro liegen. Nach Abzug der Risiko- und Verwaltungskostenersparnis und inklusive eines moderaten Bearbeitungsentgelts läge deine Vorfälligkeitsentschädigung dann möglicherweise nur noch bei etwa 25.000 Euro.
Du siehst: Allein durch vertraglich vereinbarte Sondertilgungsrechte kann sich die Vorfälligkeitsentschädigung um viele Tausend Euro verringern – auch dann, wenn du vorher keine Sondertilgung genutzt hast. Genau das prüfe ich gemeinsam mit dir, bevor du übereilt Entscheidungen triffst.
Wie kannst du die Vorfälligkeitsentschädigung umgehen?
In manchen Situationen musst du zwar deinen Kredit vorzeitig ablösen, aber nicht zwangsläufig eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. Hier ein Überblick über typische Konstellationen:
- Fehlerhafte Widerrufsbelehrung:
Ist die Widerrufsbelehrung in deinem Kreditvertrag unklar, unvollständig oder falsch formuliert, kann sich das Widerrufsrecht verlängern. In bestimmten Fällen lässt sich der Vertrag dann rückabwickeln, ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig wird. - Kündigung durch die Bank:
Wenn die Bank selbst den Vertrag kündigt, zum Beispiel wegen Zahlungsrückständen, darf sie in der Regel keine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. - Darlehen mit variablen Zinsen:
Bei variablen Zinsen kannst du meist mit einer Frist von drei Monaten kündigen – ohne Vorfälligkeitsentgelt. - Einvernehmliche Vertragsauflösung:
Möchtest du bei derselben Bank ein höheres Darlehen aufnehmen und der alte Vertrag wird „eingebaut“, kann die Bank auf die Vorfälligkeitsentschädigung verzichten – das ist aber reine Verhandlungssache. - Sonderkündigungsrecht nach zehn Jahren:
Wie oben beschrieben: Zehn Jahre nach Vollauszahlung kannst du gemäß Gesetz mit einer Frist von sechs Monaten kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung.
Gerade, wenn du durch Dienstzeiten wenig Kapazität für solche Details hast, ist es sinnvoll, diese Punkte einmal sauber durchzugehen, bevor du etwas unterschreibst.
Vorfälligkeitsentschädigung bei Hausverkauf: Wann du sie vermeiden kannst
Ein Hausverkauf ist für die Bank ein zwingender Grund, eine vorzeitige Ablösung zu akzeptieren – eine Vorfälligkeitsentschädigung ist dann aber häufig trotzdem fällig. Es gibt zwei Situationen, in denen du sie umgehen oder stark reduzieren kannst:
- Der Käufer übernimmt dein Darlehen:
Wenn der Käufer deiner Immobilie deine Finanzierung bei derselben Bank weiterführt – und seine Bonität stimmt – kann die Bank auf die Vorfälligkeitsentschädigung verzichten. - Du finanzierst eine neue Immobilie bei derselben Bank:
Nimmst du mit deiner bestehenden Bank eine neue Finanzierung für ein anderes Objekt auf, kann die Baufinanzierung „mitwandern“. Hat die neue Immobilie mindestens einen vergleichbaren Wert, ist häufig nur eine Bearbeitungsgebühr statt einer vollen Vorfälligkeitsentschädigung fällig.
Gerade bei Versetzungen, Standortwechseln oder privaten Veränderungen ist das eine spannende Option, die wir gemeinsam prüfen sollten.
Warum du die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung immer prüfen solltest
Gerade wenn dein Alltag stark getaktet ist, du im Schichtdienst arbeitest oder häufig unter hoher Belastung stehst, übersieht man in Vertragsunterlagen schnell ein Detail, das später richtig Geld kostet. Genau deshalb ist es so wichtig, die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung deiner Bank ganz genau zu prüfen – oder prüfen zu lassen. Ich erlebe immer wieder, dass sich in solchen Berechnungen Fehler verstecken, die dich mehrere Tausend Euro kosten können. Und wenn du ohnehin wenig Zeit hast, lohnt sich dieser Blick doppelt.
Zu den häufigsten Fehlern gehören:
1. Überhöhte oder unzulässige Bearbeitungsgebühren
Bei Bearbeitungsentgelten wird gern „mitgerechnet“, obwohl nicht jede Position sauber begründet ist. Manche Banken setzen Gebühren an, die so nicht fair oder nicht zulässig sind. Mein Tipp: Schau dir genau an, wofür das Entgelt verlangt wird und ob es wirklich zur konkreten Berechnung passt.
2. Förderdarlehen werden falsch einbezogen
Viele Eigentümer haben neben dem Bankdarlehen noch ein Förderdarlehen im Finanzierungsmix. Wichtig: Deine Bank darf bei ihrer Vorfälligkeitsentschädigung nur den eigenen Kreditanteil berechnen – nicht die komplette Finanzierung. Förderbausteine werden separat behandelt. Genau an dieser Stelle passieren in der Praxis oft Rechen- oder Zuordnungsfehler.
3. Sondertilgungen werden ignoriert
Wenn dein Vertrag Sondertilgungen vorsieht, müssen diese in der Berechnung berücksichtigt werden – auch dann, wenn du sie bisher nie genutzt hast. Die Bank darf also nicht so rechnen, als wäre deine Restschuld „unangreifbar“, sondern muss die mögliche Reduzierung einpreisen. Gerade wenn bei dir durch Dienstzeiten, Zulagen oder unregelmäßige Einnahmen gelegentlich Spielraum entsteht, ist das ein echter Hebel.
4. Risikokosten werden nicht korrekt angesetzt
In deinem Darlehenszins steckt ein Anteil für Risiko. Wenn du vorzeitig zurückzahlst, fällt dieses Risiko für die Bank weg – und das muss in der Rechnung fair berücksichtigt werden. Manche Institute arbeiten hier mit pauschalen Werten, die am Ende zu deinen Ungunsten ausfallen können.
5. Der Stichtag für die Rückzahlung wird ignoriert
Zwischen Berechnung und tatsächlicher Rückzahlung können Wochen liegen – und in dieser Zeit kann sich das Marktzinsniveau verändern. Die Vorfälligkeitsentschädigung muss zum richtigen Stichtag passen. Wird das nicht sauber berücksichtigt, zahlst du am Ende womöglich zu viel.
Mit diesen Dokumenten wird deine Finanzierung und deine Immo-Auswahl zum Kinderspiel!
Vorfälligkeitsentschädigung prüfen: Wann eine fehlerhafte Klausel zum Vorteil wird
Viele Eigentümer verlassen sich darauf, dass Vertragsklauseln eindeutig formuliert sind – gerade wenn du beruflich stark gefordert bist, Schichtwechsel hast oder in Extremsituationen schnell entscheiden musst. Genau deshalb lohnt es sich, die Klausel zur Vorfälligkeitsentschädigung in deinem Darlehensvertrag besonders gründlich zu prüfen. Denn es gibt eine wichtige Leitentscheidung: Banken können ihren Anspruch auf eine Vorfälligkeitsentschädigung verlieren, wenn die Berechnungsklausel im Vertrag unklar oder missverständlich formuliert ist.
Konkret geht es oft um diesen Punkt: Manche Banken richten ihre Berechnung an der „Restlaufzeit“ aus – und viele verstehen darunter automatisch die gesamte Laufzeit des Kreditvertrags. Tatsächlich darf die Bank sich aber nur an den frühestmöglichen Kündigungstermin halten, zum Beispiel:
-
das Ende der Sollzinsbindung
-
oder eine gesetzliche Kündigungsmöglichkeit (z. B. nach § 489 BGB)
Wenn diese Vorgaben im Vertrag nicht klar erklärt werden, kann die Klausel unwirksam sein – und dann kann auch die Forderung nach einer Vorfälligkeitsentschädigung kippen. Hast du aufgrund einer solchen unklaren Formulierung bereits gezahlt, kann in bestimmten Fällen sogar eine Rückforderung möglich sein – besonders bei Verträgen, die ab einem bestimmten Stichtag abgeschlossen wurden.
Gerade für Einsatzkräfte oder Beschäftigte mit unregelmäßigen Dienstzeiten ist es sinnvoll, Verträge regelmäßig zu checken, weil man beim Abschluss oft unter Zeitdruck handelt. Eine einzige übersehene Formulierung kann später viel Geld kosten.
Vorfälligkeitsentschädigung zurückfordern: So gehen Sie richtig vor
Wenn Sie vermuten, dass Ihre Vorfälligkeitsentschädigung zu hoch angesetzt ist oder die Berechnungsformel nicht nachvollziehbar erscheint, sollten Sie den Vorgang unbedingt prüfen lassen. Besonders Menschen, die im Schichtsystem arbeiten und sich nicht tagelang mit Vertragsmathematik beschäftigen können, profitieren hier von professioneller Unterstützung.
So gehen Sie am besten vor:
- Unterlagen prüfen lassen
Wenden Sie sich an eine Verbraucherzentrale oder einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalrecht. Diese Stellen kennen die typischen Fehler der Banken – etwa unklare Klauseln, zu hohe Bearbeitungsgebühren oder falsch berücksichtigte Sondertilgungen. - Korrigierte Berechnung einreichen
Oft reicht es, wenn Sie die überarbeitete Berechnung an die Bank schicken und eine Neuberechnung verlangen. Viele Institute reagieren darauf, bevor es eskaliert. - Bei Ablehnung: rechtliche Schritte prüfen
Falls die Bank eine Anpassung verweigert, bleibt nur der Gang zum Anwalt. Klären Sie vorab unbedingt, was Ihre Rechtsschutzversicherung übernimmt – sonst frisst der Anwaltskostensatz schnell den möglichen Erstattungsbetrag auf. - Schnell handeln
Manche Rückforderungsansprüche unterliegen Fristen. Deshalb sollten Sie nicht lange warten, besonders wenn Sie beruflich stark eingebunden sind und Termine leicht untergehen.
Eine erfolgreiche Rückforderung kann mehrere Tausend Euro sparen – und damit Ihre finanzielle Belastung deutlich reduzieren, gerade wenn Ihr Beruf Sie ohnehin stark fordert.
Wann sich eine Umschuldung trotz Vorfälligkeitsentschädigung wirklich lohnt
Eine vorzeitige Kündigung deiner Baufinanzierung kann sinnvoll sein – aber nur, wenn unterm Strich tatsächlich ein finanzieller Vorteil entsteht. Typische Gründe sind:
- eine Umschuldung, weil ein anderer Kreditgeber deutlich günstigere Zinsen anbietet
- ein notwendiger Hausverkauf, z. B. wegen eines Standortwechsels oder familiärer Veränderungen
Gerade Menschen, die im Schichtdienst arbeiten oder regelmäßig auf Abruf sind, können plötzlich vor beruflichen Veränderungen stehen. Ein Umzug aufgrund einer neuen Dienststelle, einer Versetzung oder Familienkonstellationen ist hier keine Seltenheit. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig zu prüfen, ob eine Umschuldung finanzierbar ist – und wie stark die Vorfälligkeitsentschädigung ins Gewicht fällt.
Die Bank muss eine vorzeitige Ablösung nicht genehmigen, wenn du nur aus Kostengründen umschulden möchtest. Tut sie es dennoch, zählt am Ende nur eines:
Lohnt sich die Ersparnis trotz zu zahlender Vorfälligkeitsentschädigung?
Damit du besser einschätzen kannst, wie viel Potenzial in einer Umschuldung steckt, haben wir ein Beispiel aus der Praxis angepasst – diesmal mit neuen Zahlen.
Beispielrechnung: Umschuldung mit Vorfälligkeitsentschädigung – lohnt sich das?
Wir betrachten eine fiktive Familie, die nach 7 Jahren Laufzeit umschulden möchte. Die Situation ist typisch für Haushalte, in denen jemand im Einsatzdienst oder Rettungsdienst arbeitet und kurzfristig versetzt wurde.
Ausgangslage:
- Restschuld nach 7 Jahren:500 €
- Zinsbindung des alten Kredits: 15 Jahre
- Alter Sollzins:3,9 %
- Tilgung:2 %
Neuer Kredit, der angeboten wird:
- Sollzins:2,2 %
- Neue Zinsbindung: 10 Jahre
- Tilgung:3,5 %
Vorfälligkeitsentschädigung: 31.870 €
Tabelle: Vergleich bestehender Kredit vs. Umschuldung (neue Beispielwerte)
| Position | Bestehender Kredit | Umgeschuldeter Kredit |
| Restschuld nach 7 Jahren | 138.500 € | – |
| Restschuld am Ende der Sollzinsbindung | 92.840 € | 49.310 € |
| Ersparnis durch niedrigere Zinsen | – | 43.530 € |
| Zu zahlende Vorfälligkeitsentschädigung | – | –31.870 € |
| Ersparnis insgesamt | – | 11.660 € |
Ergebnis:
Trotz der Vorfälligkeitsentschädigung von über 30.000 € spart die Familie über die gesamte Laufzeit rund 11.660 € – zusätzlich entsteht durch die höhere Tilgung eine deutlich kleinere Restschuld.
Für Einsatzkräfte ist dieser Puffer besonders wertvoll, weil unerwartete Belastungen wie Sonderdienste, Dienstunfähigkeit oder berufliche Umstrukturierungen abgefedert werden können.
Wichtig: Umschuldung nie übereilt durchführen
Gerade wenn du beruflich stark eingebunden bist oder viel Verantwortung trägst, solltest du den Schritt zur vorzeitigen Kündigung sorgfältig planen:
- Hole immer eineverbindliche Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung ein.
- Prüfe mit einem Experten, ob die Zahlen der Bank korrekt sind.
- Vergleiche neue Angebote gründlich – nicht nur den Zins, sondern auch Flexibilität, Sondertilgungen und mögliche Risiken.
Ein erster Überblick gelingt dir mit einem Vorfälligkeitsrechner – die Bank liefert anschließend die exakte Zahl.
Praktische Tipps zur Vorfälligkeitsentschädigung und zur richtigen Kündigung
Wenn du deine Baufinanzierung vor Ablauf der vereinbarten Zinsbindung kündigen musst oder möchtest, solltest du dir bewusst sein, dass die Bank in vielen Fällen eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangt. Diese Zahlung kann deine Ersparnis erheblich reduzieren. Daher lohnt sich eine sorgfältige Vorbereitung – besonders dann, wenn dein Arbeitsalltag ohnehin stark getaktet ist und kaum Zeit für langwierige Finanzrecherchen bleibt.
Im Folgenden findest du die wichtigsten Schritte, die du beachten solltest:
1. Kündigung schriftlich einreichen – vollständig und eindeutig
Die Kündigung deines Immobilienkredits muss immer schriftlich erfolgen. Achte darauf, dass folgende Angaben enthalten sind:
- exakte Bezeichnung des Darlehensvertrags
- Vertragsnummer
- vollständiger Name aller Darlehensnehmer inkl. Geburtsdatum
- Kündigungstermin
- handschriftliche Unterschrift(en)
Die Kündigung gilt erst dann, wenn du eine schriftliche Bestätigung der Bank erhältst. Darin erfährst du auch das genaue Enddatum des Darlehens und die Höhe der zu zahlenden Vorfälligkeitsentschädigung.
Gerade wenn du in einem Job arbeitest, in dem Entscheidungen oft schnell fallen müssen, ist diese Klarheit wichtig – denn danach richtet sich dein weiterer Zeitplan beim Verkauf der Immobilie oder der Umschuldung.
2. Vorher rechnen – um böse Überraschungen zu vermeiden
Bevor du irgendeinen Schritt gehst, solltest du eine erste Einschätzung über die mögliche Vorfälligkeitsentschädigung einholen.
Ein Vorfälligkeitsrechner liefert dir einen guten Richtwert.
So weißt du sofort, ob sich der Aufwand überhaupt lohnen kann – besonders hilfreich, wenn du kaum Zeit für lange Gespräche mit Banken hast.
3. Prüfe dein Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB
Es lohnt sich zu prüfen, ob du von den gesetzlichen Sonderrechten profitieren kannst.
Für viele Darlehen gilt:
- Nach zehn Jahren Laufzeit kannst du mit sechs Monaten Frist kündigen –ohne Vorfälligkeitsentschädigung.
Wer beruflich flexibel sein muss, zum Beispiel durch Schichtdienste oder plötzliche Standortwechsel, profitiert von diesem Paragrafen oft stärker als andere.
4. Frühzeitig mit der Bank sprechen
Bevor du kündigst, solltest du das Gespräch mit der Bank suchen. Dabei erfährst du:
- ob eine vorzeitige Ablösung genehmigt wird
- wie hoch die Vorfälligkeitsentschädigung im Detail sein wird
- welche Fristen zu beachten sind
Die Erfahrung zeigt: Wenn du offen kommunizierst und deine Situation schilderst – etwa einen Umzug aufgrund einer neuen Dienststelle –, reagieren viele Banken kooperativer.
5. Berechnung genau überprüfen
Die Bank kann Fehler machen – und das passiert öfter, als viele glauben.
Deshalb solltest du die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung gründlich prüfen lassen.
Besonders hilfreich sind:
- ein unabhängiger Vorfälligkeitsrechner
- Verbraucherzentralen
- spezialisierte Anwälte für Kapitalrecht
Dies ist sinnvoll, wenn dir im Alltag die Zeit fehlt, um jede Zahl detailliert nachzurechnen. Ein Profi erkennt sofort, ob Bearbeitungsgebühren zu hoch angesetzt wurden oder Sondertilgungen falsch berücksichtigt wurden.
6. Bestätigung der Vorfälligkeitsentschädigung einholen
Bevor du den Verkaufspreis deiner Immobilie festlegst oder einen neuen Kreditvertrag unterschreibst, solltest du dir die exakte Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung schriftlich bestätigen lassen. Damit behältst du die volle finanzielle Kontrolle und kannst gezielt planen.
7. Kündigung schriftlich einreichen
Wenn alles geklärt ist, reichst du die Kündigung erneut schriftlich ein – vollständig und eindeutig.
Warte anschließend die offizielle Bestätigung der Bank ab.
8. Vorfälligkeitsentschädigung in der Steuer berücksichtigen
Unter bestimmten Voraussetzungen kannst du die gezahlte Vorfälligkeitsentschädigung steuerlich geltend machen – zum Beispiel dann, wenn das Darlehen eine vermietete Immobilie betrifft.
Gerade für Menschen mit hohem beruflichem Einsatz lohnt sich dieser Punkt oft besonders, weil sich der finanzielle Effekt unmittelbar bemerkbar macht.
Kann ich die Vorfälligkeitsentschädigung von der Steuer absetzen?
Unter bestimmten Bedingungen kann eine Vorfälligkeitsentschädigung steuerlich berücksichtigt werden – insbesondere, wenn:
-
es sich um eine vermietete Immobilie handelt
-
und die Vorfälligkeitsentschädigung im Zusammenhang mit einer Umschuldung steht, die deine Zinskosten dauerhaft senkt
In solchen Fällen kann die Vorfälligkeitsentschädigung als Werbungskosten im Zusammenhang mit deinen Mieteinnahmen relevant sein.
Verkaufst du hingegen eine Immobilie, die du selbst genutzt hast, fällt die steuerliche Betrachtung anders aus. Hier kann die Entschädigung nur in bestimmten Konstellationen als Veräußerungskosten eine Rolle spielen – etwa bei einem Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist.
Meine Empfehlung: Sprich in jedem Fall zusätzlich mit einem Steuerberater – gerade dann, wenn dein Job ohnehin schon komplex genug ist und du dir das Steuerrecht nicht auch noch alleine „zumuten“ möchtest.
Unterstützung beim Thema Vorfälligkeitsentschädigung
Die Vorfälligkeitsentschädigung ist eines der Themen in der Baufinanzierung, bei dem man schnell zu viel bezahlt, wenn man nicht genau hinschaut. Gleichzeitig hängen solche Entscheidungen oft mit großen Lebensereignissenzusammen: Jobwechsel, Versetzung, gesundheitliche Einschnitte, Trennung, Familienzuwachs oder der Wunsch nach einem Neuanfang.
Genau in diesen Momenten brauchst du jemanden, der Ruhe reinbringt, die Zahlen sortiert und deine Möglichkeitenkennt. Ich helfe dir dabei,
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deine aktuelle Finanzierung zu analysieren,
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die mögliche Vorfälligkeitsentschädigung realistisch einzuschätzen,
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Alternativen wie Umschuldung, Laufzeitanpassung oder Sonderkündigung zu prüfen,
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und eine Lösung zu finden, die zu deinem Beruf, deinem Alltag und deinem Sicherheitsbedürfnis passt.
So triffst du deine Entscheidung nicht aus Stress heraus, sondern mit einem klaren Kopf – und mit dem guten Gefühl, deine Vorfälligkeitsentschädigung wirklich im Griff zu haben.
Ich freue mich auf alle deine Fragen.